Existenzielle Kommunikation und Spiritualität im Gesundheits- und Sozialwesen

Wer andere Menschen behandelt oder begleitet, ist häufig mit existenziellen Situationen und mit Fragen nach dem Sinn von Schmerz und Leid konfrontiert. Die Ängste eines Heimbewohners vor dem Sterben oder die große Sorge von Angehörigen, wie es nach der schwerwiegenden Diagnose mit ihrer Mutter weitergehen soll – Hoffnung und Verzweiflung, Angst und Leid, Schmerzen und Resignation gehören zum Alltag im Gesundheits- und Sozialwesen, sie gehören zum Wesen von Gesundheit und Krankheit.

Vielen Pflegenden, Ärztinnen, Sozialarbeitern und Seelsorgern gelingt es trotz hohem Druck in der Praxis gut, auf Sorgen und Nöte von Hilfe- und Pflegebedürftigen einzugehen. Meist können die Berufsgruppen die damit verbundenen Erfahrungen und Eindrücke selbst bewältigen. Oft aber bleibt für große und kleine Seelennöte schlicht keine Zeit. Immer wieder hinterlassen Begegnungen mit Patienten oder Angehörigen trotz aller Bemühungen Ratlosigkeit und Unzufriedenheit.

Was heißt es konkret, in der Sorge um Patientinnen und Bewohner auf existenzielle Bedürfnisse einzugehen? Was trägt im oft hektischen Berufsalltag tatsächlich dazu bei, offen zu sein für Fragen nach Sinn und Bedeutung? Wie gelingt es, Seelennöte ernst zu nehmen, ohne sich dabei selbst zu überfordern?

Vor dem Hintergrund fortschreitender Verdichtung von Abläufen in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens und der Pluralisierung von religiösen und spirituellen Überzeugungen stellen sich diese Fragen mit neuer Dringlichkeit. Sie fordern nicht nur den einzelnen Mitarbeiter heraus. Leitungskräfte in Einrichtungen und Diensten sind gefragt, spirituelle Ressourcen und existenzielle Kommunikation in der Personal- und Organisationsentwicklung systematisch zu berücksichtigen und zu fördern.